Traumjob gefunden: Gamedesigner

Fantasiewelten bauen und Superhelden erfinden – Gamedesigner sind die Hirne hinter den Computerspielen. Christian Patorra ist einer von ihnen. Sein bislang erfolgreichstes Fantasiewesen: ein kleines Mädchen.

Die kleine Joeanne schreckt mitten in der Nacht aus ihrem Schlaf auf. Wo ist sie hier bloß? Das Mädchen schleicht über einsame Gänge und verlassene Hallen durch das unbekannte Spukhaus, immer gesteuert von den Mausklicks ihres Spielers. Das Game vermittelt so ein „Monster unter dem Bett“-Gefühl, meint Christian Patorra. Der 21-Jährige muss es wissen. Er hat „Night of Joeanne“ selbst entwickelt.  

Christian ist ausgebildeter Gamedesigner. Er tüftelt dunkle Labyrinthe aus, erweckt Pharaonen und Wikinger zum Leben. „Das ist das Beste an dem Job“, erzählt er, „kreativ zu sein, sich lauter verrückte Dinge ausdenken zu können.“

Spielkind mit kühlem Kopf

Bei der Softwareschmiede Funatics in Oberhausen sitzt er vor seinem Rechner. In erster Linie, erklärt er, „schiebe ich Zahlen und Daten vor mir her“. Welcher Charakter hat welche Fähigkeiten? Wie viele Stärkepunkte verliert der Zwerg, wenn der Magier den Zauberspruch gegen ihn anwendet? Bis ins klitzekleinste Detail muss Christian seine Spielkonzepte ausarbeiten, vorwärts und rückwärts rechnen, alles in Wort und Schrift festhalten. Richtige Arbeit also. Nur eine witzige Idee herausposaunen, damit ist es nicht getan.

Bei der Umsetzung seiner Geistesblitze helfen ihm dann die anderen: Grafiker, Programmierer, Level- und Sounddesigner. „Den verpickelten, dicken Jungen, der allein im Keller vor sich hinprogrammiert“, versichert Christian, „den gibt es nicht mehr.“ Computerspiele entstehen im Team. Und deshalb muss er auch mit Kritik leben, damit fertig werden, wenn die anderen an dieser oder jener Idee herummäkeln.

Christians Weg in die Gamebranche begann vor drei Jahren. Nach bestandenem Fachabitur ließ sich der Hertener an der Mediadesign Hochschule (MDH) in Düsseldorf in sechs Semestern zum „Master of Arts Gamedesign“ ausbilden. Solche Studiengänge bieten in Deutschland nur wenige Fachhochschulen und einige private Hochschulen an. Ein Realschulabschluss reicht dafür oft aus. Allerdings sind die Studiengebühren zumindest bei den privaten Instituten immens, die MDH zum Beispiel verlangt monatliche Gebühren von 849 Euro.  

Den Pokal in die Höhe gereckt

Christian nahm dafür einen Studienkredit in Anspruch, der ihm im Gegenzug aber auch ordentliche Berufsperspektiven beschert hat. Schon 10.000 Menschen sind hierzulande nach Angaben des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hauptberuflich mit der Entwicklung von PC-, Konsolen- und Browserspielen beschäftigt. Momentan suchen fast alle größeren deutschen Spielehersteller nach talentierten Gamedesignern.

Dass Christian Talent mitbringt, hat er längst bewiesen. Noch während des Studiums bastelte er mit fünf Kumpels „Night of Joeanne“. Der Lohn: Neben dem Gewinn eines deutschen Computerspielpreises 2010 durfte er auch bei der Gala des Deutschen Entwicklerpreises 2010 mit dem „Newcomer Award“ vor der Kamera posieren. Mit der kleinen Joeanne verbindet ihn ohnehin vieles. Denn, so Christian über sich und seine Spezies: „Wir sind im Herzen alle noch Kinder“.