Unter uns: Marvin ist mittendrin

Für viele Fernsehzuschauer ist er einfach Moritz Schönfeld – einer der Stars bei „Unter uns“. Darsteller Marvin Linke erzählt spleens, was es bedeutet, Schauspieler zu sein.

Die Kamera ist bereit, auch der Tontechniker gibt grünes Licht, nach dem lauten "Achtung - und bitte" der Aufnahmeleiterin geht es los: Marvin Linke schlüpft in die Haut von Moritz Schönfeld und steht seiner TV-Schwester Micki in einem schweren Moment bei. Nach knapp 20 Minuten und mehreren Einstellungen ist die Szene im Kasten und der Regisseur zufrieden.

In der Schule entdeckt

Marvin hat für diesen Tag Feierabend - seine Szenen sind komplett abgedreht. Kaum zu glauben, dass er erst 18 Jahre alt ist, denn am Set bewegt Marvin sich wie ein alter Hase. Selbstbewusst und hochkonzentriert ist er bei seinen Einsätzen auf den Punkt bereit. Eigentlich kein Wunder, denn der Hannoveraner hat in seiner jungen Karriere schon einige Erfahrungen gesammelt: Er spielte in Werbespots, Fernsehfilmen, Serien und war Jugendreporter für RTL Nord.

Entdeckt wurde Marvin in der Schule. "Ich war damals in der Theatergruppe und habe schon immer gewusst, dass ich Fußballer oder Schauspieler werden will", erinnert sich der Teenieschwarm. Als sein Direktor ihn für einen Reporterjob bei RTL vorschlägt, ist der erste Schritt getan. Marvin interviewt Promis wie Dieter Bohlen oder Tokio Hotel. "Aufgefallen bin ich wohl auch durch meine frechen Fragen", lacht Marvin. Spätestens als er seine Chancen bei Castings sucht, startet der damalige Schüler richtig durch.

Emotionale Erfahrungen

Die Schauspielerei fasziniert Marvin von Beginn an. In andere Rollen schlüpfen, extreme Situationen durch den Filmcharakter erleben - das gefällt Marvin. "Schon zweimal habe ich einen Mörder gespielt. Damals war ich erst 14 - für mich eine heftige und sehr emotionale Erfahrung. Szenen zu drehen, in denen es Schießereien gibt und ich das tiefe Verlangen darstellen muss, jemanden umbringen zu wollen, das war eine große Herausforderung. Das nimmt mich dann auch danach noch ziemlich mit."

Dabei hat Marvin noch nie professionellen Schauspielunterricht genommen, sondern sich stets selbst auf die Castings und die Rollen vorbereitet. "Wir haben zwar am Set Coaches, aber im Prinzip bin ich ein Quereinsteiger." Er ist bescheiden und bezeichnet sich nicht gern als Naturtalent, aber die Caster und Fans hat er mit seinem Schauspieltalent überzeugt.

Alltag am Set

Und seine Fans lieben ihn als Moritz: "Es sind nicht jeden Tag Berge von Fanpost da, aber ich freue mich über jeden Zuspruch, das ist die Bestätigung für meine Arbeit." Die geht morgens schon zeitig los. "Ich sitze meistens gegen 7.30 Uhr in der Maske, dort werde ich geschminkt. Dann muss ich meine Klamotten für die folgende Szene anziehen und los geht es." Zunächst wird der Auftritt geprobt, die Einstellungen für Kamera und Ton werden überprüft. Dann gibt es eine Generalprobe, bevor es endgültig ernst wird. Manchmal kann so ein Tag ganz schön lang werden. Als Marvin eine Woche krank ist und ausfällt, muss er darauf seine verpassten Szenen nachholen: "Da konnten es auch schnell zwölf, dreizehn Stunden am Tag werden."

Anstrengend, aber immer noch der Job, den der Darsteller über alles liebt. "Die Schauspielerei ist anders als jeder andere Beruf. Es ist immer eine gewisse Leichtigkeit dabei. Ich weiß nicht, ob ich die in einem anderen Job auch spüren würde. Ich kann durch meine Rollen Sachen erleben, die in der Realität nie passieren würden. Wenn ich älter bin, habe ich wahrscheinlich mehr erlebt als andere Menschen. Auch, wenn das meiste nur gespielt war."

Schauspieler statt Fußballprofi

Das Leben in zwei Welten gefällt Marvin: gemeinsam mit seinen "Unter uns"-Kollegen und daheim in Hannover mit seinen Freunden. "Das ist toll, wenn ich zu Hause nicht übers Filmen, meine Rollen oder Drehbücher reden muss." Dann geht er mit den Kumpels am liebsten ins Stadion - zu den Heimspielen von Hannover 96. Dort hat Marvin bis zur D-Jugend selbst gekickt, gar nicht mal schlecht. Aber dann "wurden Mädchen und anderen Dinge interessanter und ich wurde zu faul".

Wohin ihn seine Schauspielkarriere noch bringen wird, weiß Marvin nicht. "Wenn mein Serienende irgendwann kommt, muss ich überlegen, was ich danach machen möchte. Aber das ist kein Thema zurzeit. Jetzt macht mir die Soap Riesenspaß und ich genieße das alles."

Offen und ein bisschen verrückt

Ob Marvin Tipps für junge Nachwuchstalente hat? "Es hilft sicherlich, wenn jemand offen, flexibel und auch ein wenig verrückt ist. Du musst einfach deinen Traum leben und an ihn glauben. So mache ich es auch." Jedes Mal aufs Neue, wenn die Kamera angeht.