Was macht eigentlich ein Forstwirt?

Ein Azubi steht im Wald: Ingo Straßmanns Arbeitsplatz befindet sich zwischen Buchen und Brombeerbüschen. Der zukünftige Forstwirt aus Düsseldorf schätzt vor allem die frische Waldluft – muss aber dafür im Winter an seine Grenzen.

"Aaaachtung!" Ingo wirft die Kettensäge an, schneidet damit eine große Kerbe in den massiven Buchenstamm. Dann zückt er einen Keil, hämmert ihn mit Wucht in den kranken Baum. Noch ein Schnitt mit der Motorsäge, rrr, rrr, rrr - und der Baum fällt krachend ins Unterholz.

Zwischen Joggern und Fledermäusen

Ingo bringt meterhohe Bäume zu Fall, während andere Azubis im Büro noch ihren Hallo-Wach-Kaffee aus dem Automaten drücken. Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Forstwirt, ist im ersten von insgesamt drei Lehrjahren. Sein Arbeitsplatz befindet sich im Aaper Wald in Düsseldorf. Den teilt er sich mit 250 Jahre alten Buchen und frisch geschlüpften Mäusebussarden, gemächlich spazierenden Rentnerehepaaren und Stöckchen werfenden Hundehaltern.

Die Nähe zur Natur sei das Schönste an dem Job, meint Ingo. "Die Jahreszeiten erlebt man viel intensiver." Der Duft von Holz und Laub liegt in der Luft, wenn Ingo an Erlen und Birken sägt, junge Eichen pflanzt, mit dem Freischneider Brombeerbüsche zurechtstutzt. Und wenn er Sitzbänke tischlert und Waldspielplätze in Schuss bringt. Mit zwei linken Händen könnte Ingo den Job sicher nicht machen. Weil er die aber nicht hat, werkelt er auch in seiner Freizeit, beschäftigt sich mit mittelalterlichem Handwerk, näht, gerbt und filzt wie seine Vorfahren.

Hilfe bei der Holzernte

Mit Wäldern und jungen Forsten ist ein Drittel Deutschlands bedeckt. Sie helfen, Böden fruchtbar zu halten, bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum und dienen als unentbehrliche Holzlieferanten. Und ihre Bäume speichern Kohlenstoff, sind damit wichtige Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel.

Hochwertiges Holz kommt auch aus dem Aaper Wald. Von Oktober bis Februar dauert die Holzernte. Dann ziehen die Mitarbeiter in Teams durch den Forst und bringen Baum um Baum zu Fall. Die gefällten Stämme werden von Ästen befreit und in Einzelteile zerlegt, mit Maschinen wegtransportiert, gewinnbringend verkauft und hinterher zu Druckerpapier oder Kleiderschränken umfunktioniert. Für Ingo bedeutet das vor allem eines: harte Arbeit.

Handwerker für die Ewigkeit

Außerdem, betont Ingo, sei die Arbeit nicht ganz ungefährlich. "Im Umgang mit den Maschinen muss man extrem aufpassen." Ingo geht schon sehr souverän mit Axt, Säge und Hammer um. Für ihn ist die Hauptsache, dass er etwas Praktisches machen, mit echten, lebenden Bäumen arbeiten kann. "Ich möchte immer Handwerker bleiben", sagt Ingo. Dann verschwindet er wieder im Wald. gehen.