"Ich schmeiße hin" - Ausbildungsabbruch und Alternativen

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Die Ausbildung abbrechen als letzter Ausweg? Auch wenn du gerade unzufrieden in deinem Betrieb bist, solltest du diese Entscheidung nicht voreilig treffen. In der spleens academy erfährst du, welche Alternativen es gibt.

Torben reicht es allmählich: Statt sich an Topf und Pfanne auszuprobieren, muss der Azubi-Koch Tag ein Tag aus Gemüse schneiden. Er lernt nichts Neues, fühlt sich als Schnibbelhilfe ausgenutzt und ist deshalb mit seiner Lehre von Grund auf unzufrieden.

Jeder Vierte schmeißt hin

Torben ist mit dieser Unzufriedenheit nicht allein. In Deutschland geht es vielen Jugendlichen ganz ähnlich. Laut der Bundesagentur für Arbeit bricht jeder Vierte seine Ausbildung ab. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Viele haben Stress mit dem Vorgesetzten oder den Kollegen. Andere haben sich falsche Vorstellungen von dem Beruf gemacht oder leiden unter stetigem Misserfolg. Doch leider entscheiden sich viele Auszubildende voreilig zur Kündigung – dabei hätte es vielleicht noch andere Lösungen gegeben.

Schnelle Lösung, neue Probleme

Dahinter steckt das Bedürfnis nach einer schnellen Lösung. Der Frust beendet, der Ärger vergessen. Ein Irrglaube, denn nun warten schon die nächsten Probleme auf ihre Lösung: Eine neue Lehrstelle muss her und das mitten im Ausbildungsjahr. Ein beinahe hoffnungsloser Plan. Denn erstens stellen die wenigsten Unternehmen zu dieser Zeit Azubis ein und zweitens sind die meisten Ausbildungsplätze zu dieser Zeit schon vergeben. Noch ein weiteres Problem droht: die Lücke im Lebenslauf. Eine abgebrochene Ausbildung kommt bei Bewerbungsgesprächen nie gut an. Man muss sich erklären und rechtfertigen.

Den Leerlauf positiv nutzen

Natürlich kann man auch versuchen, diese Phase produktiv zu nutzen. Die Zeit zwischen vergangener und zukünftiger Ausbildung überbrücken viele mit einem Praktikum. Der Vorteil: Man kann hier in verschiedene Berufe hineinschnuppern und sich informieren. Und wenn man Glück hat, findet man vielleicht während eines Praktikums schon seinen zukünftigen Ausbildungsplatz. Wer an sozialen Berufen interessiert ist, kann die Zeit auch mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr überbrücken und auf diesem Weg Erfahrungen für das Berufsleben sammeln. Einen Überblick über neue Praktikumsplätze gibt es im Netz, beispielsweise auf www.praktikumsstellen.de.

Offene Worte können helfen

Aber vielleicht muss es ja gar nicht so weit kommen und es eröffnet sich ein alternativer Weg, die aktuelle Ausbildungsstelle positiv zu verändern. So, dass man sich wohl und ernstgenommen fühlt. Ein guter Schritt ist immer, Ärger und Frust in einem offenen Gespräch mit seinem Chef oder dem Ausbilder zu besprechen. Wichtig: Ruhe bewahren und die Probleme sachlich und neutral schildern. Im Netz oder im Buchhandel gibt es zahlreiche Ratgeber, wie man ungeliebte Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Gespräche meistern kann.

Happy End für Torben

Unterstützung bieten hier auch Berufsschulen, Industrie- und Handelskammer sowie auch die Bundesagentur für Arbeit, die Azubis gerne bei der Lösung ihrer Probleme helfen. Denn eine Kündigung sollte wirklich nur der allerletzte Ausweg sein. Je nach Fall kann auch eine Ausbildungsverkürzung auf zwei Jahre ein Kompromiss sein. Oder man findet mit Hilfe der Bundesagentur eine andere Stelle in der gleichen Branche. Torben hat sich nach langem Ringen dazu durchgerungen, seinem Ärger im Gespräch mit seinem Ausbilder Luft zu machen. Und siehe da: Er zeigte Verständnis, entschuldigte sich sogar und gelobte Besserung. Das war vor knapp einem halben Jahr und heute ist Torben ziemlich glücklich darüber, seine Ausbildung nicht vorschnell hinzuschmeißen.