Umziehen für die Ausbildung

Ein Ausbildungsplatz in einer fremden Stadt – klingt spannend, wirft aber auch Fragen auf. Was erwartet mich in der neuen Heimat, wo komme ich unter, finde ich neue Freunde? Vor den gleichen Problemen stand auch die 20-jährige Joy. spleens hat die gebürtige Dortmunderin besucht.

„Ich hatte einige schlaflose Nächte, als ich die Frage klären musste: Ziehe ich für einen neuen Ausbildungsplatz fort in eine andere Stadt oder bleibe ich hier“, erinnert sie sich. „Das ist mir nicht gerade leichtgefallen.“

Eine schwere Entscheidung

Noch wohnt Joy in Dortmund bei ihren Eltern. Die können ihrem Vorhaben, die Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau bei einem neuen Arbeitgeber in Köln fortzusetzen, überhaupt nichts abgewinnen. Außerdem ist da noch Joys Freund: Der will sich nicht auf eine Fernbeziehung einlassen. Sollte sie umziehen, macht er Schluss – das hat er ihr klar gesagt. Für Joy ist es eine sehr schwere Zeit. „Trotz allem war die Ausbildung in Dortmund einfach nicht mehr das, was ich machen wollte“, erklärt sie. „Deshalb habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und das neue Angebot angenommen.“ Was so verlockend ist: Sie kann in Köln auch in der Reiseleitung tätig sein, den Bürotrott verlassen und sogar andere Länder kennenlernen. Ihr alter Arbeitgeber legt ihr keine Steine in den Weg, sondern willigt in einen Auflösungsvertrag ein. Sogar ihre bisherige Ausbildungszeit kann sich Joy anrechnen lassen, sodass sie nicht ganz von vorn anfangen muss. Die Entscheidung fällt – Joy zieht um.

Die Ankunft – ein kleiner Schock

Wie Joy verlassen viele Jugendliche Heimatstadt oder -dorf, um in der Fremde eine Ausbildung zu beginnen. Kein Wunder: Immerhin erwarten Arbeitgeber heutzutage mehr Mobilität bei der Lehrstellensuche. Nur so lässt sich häufig der Traumjob ergattern. So wie bei Joy, die sich voller Erwartungen bald auf den Weg in ihre neue Bleibe macht. Weil die vor allem günstig sein soll, hat sie sich – wie viele, die für eine Ausbildung wegziehen – für ein Jugendwohnheim entschieden. Mit nur einem kleinen Koffer in der Hand kommt Joy in Köln an – ziemlich unvorbereitet, wie sie zugibt. Denn die Unterkunft hat sie sich vorher noch gar nicht angeschaut. Jetzt ist sie sprachlos: In ihrem neuen Zuhause gibt es nur ein Bett, einen Schrank und ein Waschbecken – sonst nichts. „Als ich das Zimmer zum ersten Mal betrat, wollte ich nur noch eins: sofort wieder weg“, gibt sie zu.

Allein, aber nicht einsam

In ganz Deutschland gibt es etliche Wohnheime für Jugendliche, die eine Ausbildung absolvieren, momentan über 550. Insgesamt verfügen diese Wohnheime über rund 60.000 Plätze. Die größten Vorteile: Die Unterkunft liegt oft zentral in der Stadt und ist vergleichsweise günstig. Zwischen 150 und 350 Euro pro Monat kostet ein Zimmer in der Regel. Dabei kommt es unter anderem darauf an, in welcher Region und Stadt das Wohnheim liegt, ob man sich für ein Einzel- oder Doppelzimmer entscheidet. Manche Wohnheime stehen auch Studenten oder Praktikanten offen, so wie das Kölner Heim, in dem sich Joy einquartiert hat. Sie ist zunächst ganz auf sich allein gestellt und kennt die Stadt nicht. Was also tun? Nur nicht verzweifeln und unterkriegen lassen! Schließlich hat sie für ihr neues Leben vieles aufgegeben, sogar ihren Freund. Joy erkundschaftet erst einmal die Umgebung, macht Abstecher zum Kölner Dom und an den Rhein. „Ich war total überwältigt von all den Eindrücken“, erinnert sie sich. Mit ihr wohnen auf drei Etagen noch fast 200 andere junge Leute – und das erleichtert Joy die Eingewöhnung. Denn allein muss hier niemand auf dem Zimmer versauern. Ständig werden Fahrten angeboten, Gemeinschaftsabende organisiert. Schnell findet sie neue Freunde und stellt fest: „Köln ist toll. Es ist immer irgendwo etwas los“. Von Tag zu Tag fühlt sie sich im Rheinland wohler.

Eine unternehmungslustige Truppe

Mittlerweile steht Joys Zimmertür den ganzen Abend lang offen. Sie selbst wandert ebenfalls von Tür zu Tür, um zu quatschen, zu kochen oder fernzusehen. Nicht mal zum Einkaufen muss Joy vor die Tür; im hauseigenen Bistro kann sie sich mit dem Nötigsten eindecken. Dort treffen sich abends auch viele Mitbewohner, sehen gemeinsam fern oder surfen im Netz. Und wenn ihnen ihre Buden doch einmal zu eng werden, verlagern die Jugendlichen ihre Aktivitäten einfach nach draußen, in eine der unzähligen Kneipen in der Umgebung oder, an den Wochenenden, in Clubs und Discos. Von ihrem Gehalt – und gelegentlichen Zuschüssen der Eltern – kann sich Joy diesen kleinen Luxus genauso leisten wie ihr Zimmer.

Als Reiseleiterin in Barcelona

Auch der Job macht ihr unheimlichen Spaß. Sie kommt viel herum und führt sogar Reisegruppen durch Paris und Barcelona. Ihre Kontakte in die Dortmunder Heimat hat sie deshalb nicht abreißen lassen. Häufig telefoniert sie mit ihrer Familie und Freunden, ist regelmäßig zu Besuch im Ruhrgebiet. Ganz zurück in ihre Heimatstadt möchte sie aber nicht. „Ich habe eindeutig die richtige Entscheidung getroffen“, ist sie überzeugt. „Man sollte letzen Endes immer das tun, was einem das Herz sagt.“ Einen Tipp für alle Umzugswilligen hat sie noch parat: „Am besten fährt man rechtzeitig vor dem Umzug mit einer guten Freundin in die neue Stadt. Dann fällt einem die Umstellung gleich viel leichter.“

Hier gibt´s weitere Infos im Web:

www.auswaerts-zuhause.de

www.arbeitsagentur.de