Interview mit einem Bestatter

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Friedhof, Tod und Trauer: Spontane Assoziationen mit dem Beruf des Bestatters sind in der Regel nicht besonders positiv. Der Bestatter Heinrich Kritzler erzählt spleens im Interview, dass noch viel mehr zu seiner Arbeit gehört.

spleens: Wann wussten Sie, dass Sie Bestatter werden wollen?

Heinrich Kritzler: Da war ich noch ganz klein, fünf oder sechs Jahre alt. Unsere Einrichtung ist ein uralter Familienbetrieb. Mein Vater war also auch schon Bestatter, seine Arbeit und alles, was dazu gehört, war für mich also immer schon total normal.

spleens: Fanden Ihre Mitschüler das auch normal?

H. K.: Ja, schräg angeguckt wurde ich nicht. Die wussten ja alle, dass mein Vater der Bestatter im Ort ist. Das war nichts Ungewöhnliches.

spleens: Und später, als junger Mann? Gab es da viele Vorurteile?

H. K.: Neugier vor allem. Natürlich höre ich immer wieder: „Boah, das könnte ich ja nicht.“ Aber im Anschluss folgt fast immer ein: „Aber erzähl mal!“

spleens: Dann erzählen Sie doch mal – warum ist Ihr Beruf Ihrer Meinung nach ein toller Beruf?

H. K.: In erster Linie wegen der helfenden Funktion, die man hat. Ich arbeite ja immer mit Menschen, die in Not und Trauer sind. Denen stehe ich dann bei – und kein Trauerfall ist ja wie der andere. Da ist jeder unterschiedlich. Man hat auch immer viel mit Hoffnung zu tun.

spleens: Macht die Arbeit mit Angehörigen einen großen Teil Ihrer Arbeit aus?

H. K.: Auf jeden Fall, das ist die Hauptarbeit. Viele Menschen denken, wir Bestatter hätten den ganzen Tag über nur mit Toten zu tun. Aber das ist der kleinste Teil. Die holt man ab und dann bettet man sie ein. Früher war das auch so, dass der Schreinermeister vor Ort den Sarg gemacht hat und dann die Verstorbenen unter die Erde gebracht hat. Aber heute sind die Särge auf Lager und im Vordergrund stehen dann die Beerdigung und die Angehörigen.

spleens: Wenn die Arbeit mit den Toten nur der kleinste Teil ist – was fallen denn dann sonst noch für Aufgaben an?

H.K.: Alles, was vor, nach und während einer Beerdigung passiert: Dekorieren, die Traueranzeigen erstellen und vor allem die Beratung. Es gibt ja mehr als nur eine Bestattungsart. Da müssen wir uns hineinfühlen, „was war das für ein Typ, was passt zu ihm?“ Und nach der Beisetzung geht es weiter: Die Angehörigen haben dann oft noch das Bedürfnis zu reden. Beendet ist meine Arbeit erst nach der Danksagung, wenn die Schlussrechnung geschrieben ist.

spleens: Welche Eigenschaften sollte denn ein Azubi haben, der Bestatter werden will?

H.K.: Er sollte emphatisch, aber nervlich belastbar sein. Die Angehörigen erwarten von uns, dass wir Sicherheit geben, dass man sich auf uns verlassen kann. Da sollte der Bestatter natürlich nicht mitweinen. Und es gibt halt auch krasse Fälle, wie Suizid oder Unfälle. Da muss man schon hart im Nehmen sein.

spleens: Ist Ihre Arbeit nicht sehr traurig? Vor allem der Umgang mit den Angehörigen?

H.K.: Wenn ein junger Mensch stirbt und man sich in die Menschen hineinversetzt, dann ist es schon traurig. Oder wenn man den Menschen selber kannte. Wichtig ist, dass man als Bestatter mitfühlt. Und nicht mittrauert.