Fragen und Antworten zur Knochenmarkspende

Eine Knochenmarkspende kann Leben retten. Doch für eine erfolgreiche Transplantation muss zunächst erst einmal ein passender Spender gefunden werden, weshalb sich möglichst viele Spender in einer Datenbank registrieren lassen sollen. Nevena Bialowas von der DKMS erklärt, wie eine Registrierung klappt und was passiert, wenn man als Spender ausgewählt wird.

Frau Bialowas, eine Knochenmarkspende klingt erst einmal gefährlich. Ist es das für den Spender nicht?

Also, in 80 Prozent der Fälle ist das gar keine wirkliche Knochenmarkspende, sondern eine sogenannte periphere Stammzellspende. Dem Spender wird über fünf Tage hinweg der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht. Das ist ein Medikament, welches die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Die Stammzellen werden dann über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen. Gefährlich ist das nicht. Während die Medikamente eingenommen werden, können grippeähnliche Symptome auftreten. Nach heutigem Forschungsstand sind keine Langzeitnebenwirkungen bekannt.

Wie lange dauert die periphere Stammzellspende?

Vier bis acht Stunden an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Es ist keine Operation notwendig, der Spender kann die Klinik meist am gleichen Tag wieder verlassen.

Wie läuft die andere Methode ab?

Bei der Knochenmarkspende wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen – kein Rückenmark! Hierbei genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Die dabei entstehenden Wunden sind sehr klein, sodass sie nur mit wenigen Stichen oder oft überhaupt nicht genäht werden müssen und ziemlich schnell verheilen. Die Entnahme erfolgt in Bauchlage und dauert ungefähr eine Stunde.

Besteht da ein Risiko?

Bei der Knochenmarkspende beschränkt sich das Risiko im Wesentlichen auf die Narkose. Aus dem Beckenkamm werden rund fünf Prozent des Knochenmarks entnommen. Das Knochenmark beim Spender regeneriert sich in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen vollständig. Es kann ein lokaler Wundschmerz auftreten, der sich ähnlich wie bei einer Prellung anfühlt. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert insgesamt drei Tage. In den meisten Fällen erfolgt als Vorsichtsmaßnahme eine Krankschreibung für einige Tage.

Kann ich mir als Spender die Methode aussuchen?

Die Art der Entnahme richtet sich nach dem gesundheitlichen Zustand des Patienten. Natürlich versuchen wir, Wünsche zu berücksichtigen. Jedoch kann abhängig von der Situation des Patienten eine Methode aus medizinischen Gründen ausgeschlossen oder bevorzugt werden. Grundsätzlich ist es wünschenswert, wenn die Spender zu beiden Methoden bereit sind.

Wie lange kann ich nach dem Termin nicht zur Berufsschule oder in den Betrieb?

Die DKMS kontaktiert im Falle einer Stammzellspende den Betrieb. Außerdem gibt es eine Bescheinigung, in der wir den Arbeitgeber bitten, den Spender für den Zeitraum der Voruntersuchung und der Entnahme freizustellen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die wenigsten Ausbilder und Chefs etwas dagegen haben und es sehr positiv sehen, wenn jemand zur Stammzellspende gebeten wird.

Arbeitsunfähig ist man nach der peripheren Stammzellentnahme nur an ein bis zwei Entnahmetagen. Sollte wider Erwarten eine Krankschreibung notwendig werden, kann dies vom Hausarzt bescheinigt werden. Bei der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm dauert der Eingriff zwar nur etwa eine Stunde, der Patient ist aber in der Regel drei Tage im Krankenhaus – wenn man die Aufnahme und den Entlassungstag einrechnet. In den meisten Fällen lassen wir die Spender auch hier wieder vorsichtshalber für einige Tage krankschreiben.

Was, wenn die Klinik zu weit weg ist und ich mir das Ticket dorthin nicht leisten kann?

Das ist kein Problem, die DKMS organisiert die An- und Abreise und übernimmt auch alle anfallenden Kosten. Das gilt auch für eine Begleitperson.

Wie hoch sind die Heilungschancen des Empfängers?

Das hängt stark vom Zustand und Alter des Patienten ab und ist sehr individuell. Durch DKMS Spender wurden bereits weltweit über 67.000 Chancen auf Leben gegeben.

Wo kann ich mich registrieren?

Auf unserer Seite kann man einfach ein Registrierungsset anfordern. Mit den darin enthaltenen Wattestäbchen nimmt man Abstriche der Wangenschleimhaut und schickt diese samt ausgefüllter Einverständniserklärung wieder an unser Labor zurück. Nach der Registrierung speichern wir die Untersuchungsergebnisse des Wangenabstrichs in der Datei und stellen diese anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung. Als zweite Möglichkeit zur Registrierung sind noch unsere zahlreichen Registrierungsaktionen deutschlandweit zu ewähnen. Daten dazu gibt es auf unserer DKMS Homepage oder auch auf der DKMS Facebook Seite.

Wer darf Spender werden?

Grundsätzlich kann jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registriert werden. Registrierte 17-Jährige werden ab dem 18. Geburtstag für den weltweiten Suchlauf berücksichtigt. Wer unter einer chronischen Erkrankung oder einer anderen schweren Erkrankung leidet oder gelitten hat oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte einmal Rücksprache mit der DKMS halten.